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Dignity – Dignité - Würde

Portraitfotos von Thomas Ratjen

In seinem Fotoprojekt „Dignity – Dignité – Würde“ portraitiert der Landshuter Fotograf Thomas Ratjen geflüchtete Menschen in klassischen Studioportraits. Seine kraftvollen und lebendigen Fotografien zeugen von der Vielfalt menschlichen Ausdrucks und verstehen sich als eine Verbeugung vor Lebenskraft, Schönheit und Einzigartigkeit der Menschen, die auch durch schwierige Lebenssituationen hindurch bewahrt werden können. Thomas Ratjen war viele Jahre als Sozialpädagoge in der Flüchtlingsberatung tätig. In der Begleitung von Menschen verschiedenster Nationalitäten entwickelte er Gespür für die Ressourcen der Geflüchteten und tiefen Respekt vor ihrem Schicksal und dem jedem zu eigenen individuellen Ausdruck von Würde.

Die Portraits lässt er bewußt als reinen Ausdruck der Persönlichkeiten und ohne weitergehende Hintergrundinformation oder politische Botschaften auf die Betrachter wirken.

Kunstwochenende: 4. – 6. September 2020 täglich 14.00 – 19.00 Uhr

Dauer der Ausstellung: 7. September – 10. Oktober 2020

Öffnungszeiten: Mo bis Sa 14 – 17 Uhr

Zusätzlichist der Künstler Peter Weismann seit Januar mit seinem Kunstprojekt „MARE NOSTRUM längs der Isar – Festung Europa“ in der Rochuskapelle zu Gast. Hier könnt Ihr mal reinschauen: https://mare-nostrum-landshut.de/

MARE NOSTRUM hieß das Mittelmeer zu Zeiten des Römischen Reiches. MARE NOSTRUM nannte die italienische Regierung die humanitäre Mission zur Seenotrettung von Migrant*innen. Drückte die antike lateinische Bezeichnung des Mittelmeeres eher imperiale Besitzansprüche aus, war sie für die Rettungsaktion, die im Oktober 2013 anlief, Ausdruck der fürsorglich solidarischen Verantwortung einer modernen demokratischen Gesellschaft für „unser Meer“. Bis Oktober 2014 rettete MARE NOSTRUM etwa 130.000 Menschen aus Seenot. Dann wurde MARE NOSTRUM eingestellt. Die europäischen Regierungen haben sich für Abschottung, Grenzsicherung und Zurückweisung entschieden. An den Grenzen der „Festung Europa“ sterben Menschen, die wir retten könnten. Mehr als 35.000 tote Kinder, Frauen und Männer dokumentiert die Liste der UNITED, die Dunkelziffer wird um vieles höher geschätzt. Das massenhafte Sterben zuzulassen, obwohl wir es verhindern könnten, heißt zugleich, dass wir das Wertefundament Europas, die Menschenrechte, selbst zerstören. Wo Menschen, die vor Verfolgung, Gewalt, Krieg und Hunger flüchten, zur bedrohlichen „Flüchtlingsflut“ entmenschlicht, ausgegrenzt und dem Tod überlassen werden, wo im öffentlichen Diskurs Unworte wie „Überfremdung“, „Umvolkung“ kursieren und von einer Verschwörung zur „Islamisierung des Abendlandes“ geraunt wird, wo Hass auf Fremde in den Straßen demonstriert, wo Menschen in Not kriminalisiert werden und deren Unterkünfte brennen, drängt sich Auschwitz als Menetekel auf. „Nie wieder!“ war das Vermächtnis.

MARE NOSTRUM ist der Titel einer Installation, die sich künstlerisch diesem Vermächtnis an die Gegenwart stellt. Seit seiner Vertreibung aus dem Paradies wandert der Mensch auf der Erde, zieht umher auf der Suche nach Lebensbedingungen, die seine Existenz sichern. Migration ist Menschsein – kein Verbrechen.

Zum Künstler:
Aufgewachsen nach dem Krieg, hineingewachsen in das Bewusstsein der Katastrophe des Dritten Reiches und in das Wissen um die Schicksale der Verfolgten, aufgewachsen in der Nachbarschaft mit Vertriebenen aus dem Osten und Gastarbeiter*innen aus dem Süden, die das Land bereichert haben, schämt er sich für eine Politik in diesem Land, die ihre geschichtliche Verantwortung an den Ursachen für die Flucht von Menschen in anderen Teilen der Erde leugnet.

Zum Ort:
MARE NOSTRUM entsteht entlang der Isar von der Quelle im Karwendelgebirge bis zur Mündung in die Donau. Der Fluss als Beispiel einer der ältesten Migrationsrouten in der Menschheitsgeschichte, als Lebensader, als eine Metapher für Verbindung und Verbundensein, für das Unaufhaltsame und nicht Kontrollierbare, für unablässige Bewegung und stete Veränderung ist für sich schon Teil und Bühne von MARE NOSTRUM. Weite Bereiche der Isar und ihrer Flussauen sind Landschaftsschutzgebiete, die von Wanderwegen durchzogen sind. Auf Schutz und Wandern bezieht sich im übertragenen Sinn MARE NOSTRUM und zieht seine Spur entlang dieser Wege.